Erstellung Vermögensanlagen-prospekt

Finanzinstrumente, die nicht zum Handel auf einem Sekundärmarkt geeignet sind, etwa weil sie in ihrer Gesamtheit als Vertragsverhältnis nicht ohne Zustimmung des anderen Teils auf andere übertragbar sind oder ihre Übertragung eine notarielle Beurkundung voraussetzt (z.B. GmbH-Anteile), werden vom deutschen Kapitalmarktrecht nicht als Wertpapiere, sondern als Vermögensanlagen reguliert. Weitere Beispiele für Vermögensanlagen sind nicht kapitalmarktfähige Genussrechte, partiarische Darlehen oder Nachrangdarlehen, Treuhandvermögen oder auch sog. Direktinvestments, bei denen Anleger einen physischen Gegenstand kaufen (Container, Schiff, sonstige Nutzgegenstände), um sie dann an den Anbieter der Vermögensanlage zurückzuvermieten, damit dieser mit dem auf diese Weise finanzierten Gegenstand Rendite erwirtschaften kann, die dem Anleger über Mietzahlungen und einen Rückkauf am Ende der Laufzeit der Vermögensanlage zugeführt wird. Unternehmen, die sich über ein Angebot solcher Anlagegegenstände an Anleger in Deutschland finanzieren wollen, müssen zuvor nach § 8 Vermögensanlagengesetz einen Vermögensanlagenprospekt von der BaFin billigen lassen.

Ablauf der Erstellung eines Vermögensanlagenprospekt

Die Erstellung eines Verkaufsprospekts für das öffentliche Angebot von Vermögensanlagen ist ein in vielerlei Hinsicht hochkomplexes Projekt. Neben Informationen zur aktuellen und voraussichtlichen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Emittenten sind in den Prospekt unter anderem ausführliche Informationen zu den mit der Anlage verbundenen Risiken, den unternehmenstragenden Personen, den für die Vermögensanlage wichtigsten Verträge, zu möglichen Interessenkonflikten der Gesellschafter und geschäftsführenden Personen sowie Angaben über eine eventuelle Einbindung in eine Konzernstruktur aufzunehmen. Die Zusammenstellung der für den Prospekt erforderlichen Informationen verlangt dem Emittenten höchste Sorgfalt und erheblichen Aufwand ab. FIN LAW unterstützt Anbieter von Vermögensanlagen sowohl bei der rechtlichen Konzeption der anzubietenden Vermögensanlagen als auch bei der Erstellung des erforderlichen Verkaufsprospekts. Zusätzlich zum Vermögensanlagenprospekt fordert das Gesetz von Anbietern von Vermögensanlagen die Erstellung eines Vermögensanlagen-Informationsblattes (VIB) zu der anzubietenden Vermögensanlage. Dabei handelt es sich um eine übersichtlich zusammengestellte Zusammenfassung des Vermögensanlagenprospekts, dem die wesentlichen Informationen und Charakteristika der Vermögensanlage entnommen werden können und die nicht länger als drei DIN a4 Seiten sein darf. Auch das VIB muss von der BaFin gebilligt werden. Sobald eine einreichungsfähige Version für Vermögensanlagenprospekt und Vermögensanlagen-Informationsblatt vorliegt, kann das Billigungsverfahren bei der BaFin beantragt werden. FIN LAW vertritt seine Mandanten im Billigungsverfahren gegenüber der BaFin bis zur Billigung des Verkaufsprospekts und VIBs.

Vertrieb von Vermögensanlagen nach § 34f Gewerbeordnung

Der entscheidende Vorteil von Vermögensanlagen gegenüber Wertpapieren ist, dass sie nicht nur von Banken und Finanzinstituten mit BaFin-Erlaubnis für Anlageberatung und Anlagevermittlung vertrieben werden dürfen, sondern auch durch Finanzanlagenvermittler, die eine Erlaubnis nach § 34f der Gewerbeordnung halten. Da eine solche Erlaubnis nach § 34f GewO im Vergleich zu einer BaFin-Zulassung mit im Verhältnis deutlich geringerem Aufwand zu erhalten ist, gibt es in Deutschland eine durchaus große Zahl von Finanzanlagenvermittlern, auf deren Investorennetzwerk Anbieter von Vermögensanlagen zugreifen können. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Vermögensanlagen sich als Investitionsgegenstand eher für vermögende Privatleute (sog. High net worth Individuals) in Deutschland eignen, als für institutionelle Investoren, da es sich üblicherweise um nicht weiterveräußerbare, lang- oder mittelfristige Kapitalanlagen handelt. Ein Angebot von Vermögensanlagen im EU-Ausland ist nicht auf der Grundlage eines von der BaFin gebilligten Vermögensanlagen-Verkaufsprospekts möglich. Sollen Vermögensanlagen auch international vertrieben werden, sollte die Wahl des Emittenten entweder auf das Angebot eines Wertpapiers fallen oder es ist erforderlich, dass im Zielland der Wahl sofern nach den dort geltenden nationalen Kapitalmarktregularien ein weiterer Prospekt für die Vermögensanlage erstellt und durch die zuständige Regulierungsbehörde gebilligt wird.