Skalierung von Bitcoin über das Lightning Netzwerk – Was müssen Kryptounternehmen dabei beachten?

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Das Lightning Netzwerk verspricht die Lösung eines der größten Probleme von Bitcoin: Der Skalierung. Das Bitcoin Netzwerk selbst ist aufgrund seiner dezentralen Funktionsweise lediglich in der Lage, etwa sieben bis 12 Transaktionen pro Sekunde abzuwickeln. Begründet ist diese Tatsache zum einen in der nach wie vor im Vergleich zu anderen Kryptowährungen eher geringen Blockgröße von nur einem Megabyte und zum anderen in dem Umstand, dass alle Transaktionen zusammengefasst in Blöcken von Minern bestätigt und dann in die jeweils aktuelle Version der Bitcoin Blockchain aufgenommen werden müssen. Das Lightning Netzwerk, das bereits seit 2018 aktiv ist, versucht diesem Problem über eine Off-Chain-Lösung zu begegnen.

Wie funktioniert das Lightning Netzwerk?

Technisch handelt es sich beim Lightning Netzwerk um eine sehr komplizierte Konstruktion, die kaum mit wenigen Worten erklärt werden kann. Das Lightning Netzwerk ist ein sog. Second-Layer-Protokoll das zwar die Infrastruktur des Bitcoin Netzwerks nutzt, jedoch Bitcointransaktionen außerhalb der Bitcoin Blockchain gesammelt abwickeln kann, um sie anschließend als nur eine Transaktion in die Bitcoin Blockchain aufzunehmen. Das Kernelement des Lightning Netzwerk sind sog. Payment Channels, die zwischen zwei Teilnehmern des Bitcoins Netzwerks eröffnet werden können. Payment Channels stellen zwischen den sie öffnenden Parteien ein Kontokorrentverhältnis dar, dass außerhalb der Bitcoin Blockchain geführt wird. Entschließen sich die Parteien zu einem späteren Zeitpunkt, ihren Payment Channel zu schließen, wird ihr aktuelles Kontokorrent als nur eine Transaktion in die Bitcoin Blockchain aufgenommen. Das Lightning Netzwerk ermöglicht es seinen Nutzern darüber hinaus, auch bestehende Payment Channel von anderen Nutzern für ihre Transaktionen zu nutzen, so dass eine Transaktion an einen Teilnehmer, mit dem kein direkter Payment Channel besteht, über eine indirekte Route aus Payment Channels anderer Teilnehmer erfolgen kann. Die Nutzung des Lightning Netzwerks entlastet das Bitcoin Netzwerk erheblich, sowohl im Hinblick auf die zu verarbeitenden Datenmassen als auch im Hinblick auf die aufzuwendende Rechenkapazität der Miner, die statt zahlreicher Einzeltransaktionen nur eine Transaktion im Moment der Schließung eines Payment Channels validieren müssen.

Welche Effekte hat die Nutzung des Lightning Netzwerks?

Der wichtigste Aspekt bei der Nutzung des Lightning Netzwerks ist die Skalierung von Bitcoin. Das Netzwerk ist in der Lage die vergleichsweise geringe Zahl an Bitcoin Transaktionen pro Sekunde erheblich zu erhöhen. Transaktionen werden zudem unmittelbar gültig, ohne dass Zahler und Zahlungsempfänger darauf warten müssen, dass die Miner die Transaktion validiert haben. Die Eignung von Bitcoin als Zahlungsmittel wird auf diese Weise deutlich erhöht. Darüber hinaus führt die Nutzung des Lightning Netzwerks jedoch auch zu einer erheblichen Erhöhung der finanziellen Privatsphäre der Transaktionsparteien. Während im Rahmen von klassischen Transaktionen auf der Bitcoin Blockchain die Transaktionen unmittelbar in die Bitcoin Blockchain aufgenommen werden und somit jederzeit für jedermann überprüf- und einsehbar sind, werden Einzeltransaktionen über das Lightning Netzwerk gerade nicht in die Blockchain geschrieben, sondern „offchain“ abgewickelt. Die Feststellungmöglichkeit der an einer Einzeltransaktion beteiligten Blockchainadressen, der Höhe der Transaktion sowie der Herkunft der transferierten Bitcoins ist deshalb nicht mehr gegeben.

Was bedeutet das für Kryptounternehmen?

Gerade im gewerblichen Umgang mit Bitcoin besteht ein erhöhtes Interesse an schnellen und günstigen Transaktionsmöglichkeiten. Insbesondere Kryptotauschbörsen und sonstige Dienstleister mit hohen Bitcoin Transaktionszahlen haben daher ein besonderes Interesse an der Nutzung einer Lösung wie dem Lightning Netzwerk. Allerdings besteht jedenfalls für diejenigen Kryptounternehmen, die nach den auf sie anwendbaren Vorschriften geldwäscherechtliche Pflichten zu erfüllen haben das Problem, dass ihre Prüfungsmöglichkeiten bei Nutzung einer Offchain-Lösung wie dem Lightning Netzwerk erheblich eingeschränkt sind. Sie haben keine Möglichkeit, die Parteien und die Höhe einer konkreten Transaktion über die Bitcoin Blockchain festzustellen, noch können sie zurückverfolgen, von welchen welche Bitcoinadressen die transferierten Bitcoins stammen. Aufsichtsbehörden werden vor diesem Hintergrund aller Voraussicht nach die Nutzung des Lightning Netzwerks jedenfalls bei beaufsichtigten Unternehmen sehr kritisch sehen.

 

Rechtsanwalt Lutz Auffenberg, LL.M. (London)

 

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